Im Einsatz für die Biodiversität im Stiftsgarten: Yasemin Kurtogullari im Interview

Seit sieben Jahren engagiert sich die Naturschutz-Biologin Yasemin Kurtogullari für den Stiftsgarten. Sie berät das Team allgemein bei Fragen rund um Biodiversität und bietet Führungen zu verschiedenen Themen an. Im Interview beantwortet Yasemin Fragen zu ihrem Einsatz für den Stiftsgarten.
Yasemin Kurtogullari, Foto: Stiftsgarten
Yasemin Kurtogullari, Foto: Stiftsgarten
Blauschwarze Holzbiene, 
Foto: Winja Walter, Stiftsgarten
Blauschwarze Holzbiene, Foto: Winja Walter, Stiftsgarten
  • Weshalb setzt du dich gerade im Stiftsgarten für Biodiversität ein? 

Biodiversität ist mein «Herzensthema». Es ist mir wichtig, dass ich dafür viele Menschen sensibilisieren kann. Im Stiftsgarten kann ich Leute erreichen, mit denen ich sonst nicht in Kontakt käme, beispielsweise weil sie sich nicht für einen Botanik-Kurs anmelden würden. 

 

  • Wie steht es um die Biodiversität im Stiftsgarten?

Der Stiftsgarten ist zunächst ein Produktions- und Begegnungsort. Gleichzeitig geht es aber darum, wie man beim Produzieren die Biodiversität fördern kann.

Es steht sehr gut um die Biodiversität im Stiftsgarten. Beispielsweise bei den Wildbienen haben wir zwei gefährdete Arten, die hier leben. Wir fördern sie gezielt mit der Schaffung von Strukturen wie Sandlinsen und kleinen Sandsteilwänden (mit Löss gefüllte Blumenkisten).  

 

  • Woran erkennst du, dass es gut um die Biodiversität steht? 

Wenn man sich umsieht, entdeckt man überall Lebewesen, die einen Lebensraum gefunden haben. Es hat viele Strukturen im Garten, die diese Lebensräume bieten. Es ist auch wichtig, dass immer etwas blüht. Von Februar bis November hat es nie eine Lücke. Früh im Jahr blühen bereits die Weiden und dann der Tierlibaum (Kornelkirsche). Efeu und die Wittwenblume gehören zu den letzten Pflanzen, die im Jahr noch Blüten treiben. 

 

  • Du begleitest den Stiftsgarten seit Längerem. Erkennst du eine Zunahme der Biodiversität?

Biodiversität war von Anfang an ein wichtiges Thema im Stiftsgarten. Das Thema Biodiversität in der Nacht ist ein neueres Thema, das ich eingebracht habe. Ein Beispiel: Ich konnte bewirken, dass die Zaunwinde, die für Nachtfalter eine sehr wichtige Pflanze ist, nicht mehr nur als «Gjät» betrachtet wird. Sie würgt die Beerensträucher und ist deswegen nicht gerne gesehen. Aber sie ist eben auch wichtig für die Nachtfalter. Anna, die Stiftsgarten-Gärtnerin lässt sie nun bewusst an bestimmten Stellen wachsen.

 

  • Wir befinden uns in einer Biodiversitätskrise und du arbeitest mit verschiedenen Zielgruppen. Kannst du ein Umdenken bei den Menschen feststellen, sind sie mehr sensibilisiert als früher?

Die Leute, die an meinen Kursen teilnehmen, bilden keine zufällige Bevölkerungsgruppe, sie sind meist bereits ein wenig interessiert an den Themen. Es freut mich, wie stark sie sich darüber freuen, mit mir die Natur anzuschauen. Das Wissen über Natur in unserer Gesellschaft geht aber zurück und wir müssen uns bemühen, dass die Begeisterung wieder geweckt und das Wissen vergrössert wird. Dafür sind Führungen sehr gut. 

 

  • Hast du im Stiftsgarten eine Lieblingspflanze und ein Lieblingstier? 

Die Blauschwarze Holzbiene ist mein Lieblingstier im Stiftsgarten. Man sieht sie oft, sie fliegt häufig und gräbt Löcher in Holzstrukturen. Diese Holzbiene ist gerne auf dem Muskatellersalbei und holt dort ihren Nektar.

Meine Lieblingspflanze im Stiftsgarten ist das Wilde Rüebli. Darauf hat es immer viele Wildbienen. Die Pflanze mit den weissen Schirmdolden hat sich perfekt an Bestäuber angepasst: Mit einer schwarzen, sterilen Blüte in der Mitte der Dolde imitiert sie ein bestäubendes Insekt und lockt dadurch weitere Insekten an.

 

  • Hast du uns einen einfachen Tipp zur Förderung der Biodiversität? 

Mein Tipp: Setzt auf einheimische und häufige Pflanzen und überlasst die Verbreitung seltener Arten den Fachstellen. Gehölze wie der Weissdorn mit seinen schönen Blüten und Beeren oder einheimische Wiesenpflanzen sind eine gute Wahl. Bedrohte Arten unterstützt man am besten, indem man geeignete Lebensräume schafft, in denen sie sich natürlich ansiedeln können.

 

Bist du interessiert an einer Führung mit Yasemin? Am Mittwoch, 9. September von 17.30 bis 18.30 Uhr findet ihre nächste Biodiversitätsführung statt.