Wenige Wochen nach der Probenentnahme ist klar, wie es um die Nährstoffversorgung steht. Doch bevor wir die Resultate aus dem Labor Ins präsentieren, lohnt sich ein Blick auf die Entstehungsgeschichte des Bodens.
Noch vor 10'000 Jahren bedeckte der Rhonegletscher die Gegend von Zollikofen. Nach seinem Rückzug entwickelten sich auf der zurückbleibenden Grundmoräne zunächst anspruchslose Moose und Flechten. Durch die Verwitterung des Gesteins entstanden allmählich Nährstoffe, die Pionierpflanzen und Bodenlebewesen eine Lebensgrundlage boten. Mit der Zersetzung pflanzlicher und tierischer Organismen bildete sich über Jahrtausende hinweg der dunkelbraune Humus – die Grundlage des heutigen Weltackers.
Der Boden besteht aus tiefgründiger, grundfeuchter Braunerde. «Tiefgründig» bedeutet, dass Pflanzen den Boden bis in eine Tiefe von rund 80 cm durchwurzeln und nutzen können. Zudem besitzt er eine Speicherkapazität von ca. 90 Liter Wasser pro Quadratmeter, das den Pflanzen zur Verfügung steht.
Ziel der Bodenprobe im Januar war es, die Verfügbarkeit der wichtigsten Pflanzennährstoffe – Phosphor, Kalium, Magnesium und Calcium – zu untersuchen. Das Ergebnis: Phosphor ist in erhöhter Menge vorhanden, auch Kalium steht ausreichend zur Verfügung. Empfohlen wird daher lediglich eine Düngung in Höhe des Kaliumentzugs durch die angebauten Kulturen.
Magnesium und Calcium hingegen sind nur mässig verfügbar. Hier wird eine Düngung empfohlen, die den Nährstoffentzug um rund 20 Prozent übersteigt, um die Reserven wieder aufzubauen.
Doch bedeutet das, dass es um den Boden des Weltackers schlecht steht? Weltackerbauer Martin Huggenberger ordnet ein: „Der Boden des Weltackers ist gut. Wir sind zufrieden, wie sich die Nährstoffsituation nach fünf Jahren Bewirtschaftung entwickelt hat.“ Auch die Erträge – im Vergleich zu anderen biologischen Betrieben durchschnittlich bis gut – stützen diese Einschätzung. Martin ergänzt jedoch: „Die chemisch-physikalische Analyse liefert kein vollständiges Bild des Bodenzustands. Untersucht wurde nur die oberste Bodenschicht bis maximal 20 cm Tiefe. Zudem zeigt sich immer deutlicher, dass nicht allein die Nährstoffwerte entscheidend sind, sondern auch die Bodenstruktur und das Bodenleben.“
Ein stabiler Boden ist gut durchwurzelt und beherbergt zahlreiche Bodenorganismen wie Regenwürmer oder Mycelien – die feinen Pilzfäden im Erdreich. Sie sorgen für Struktur, Nährstoffkreisläufe und langfristige Fruchtbarkeit. Was braucht es also für einen dauerhaft gesunden Boden? Martin hat bereits konkrete Schritte eingeleitet: „Alle drei Jahre werden wir 10 m³ Kompost auf dem Weltacker ausbringen. Damit führen wir die benötigten Nährstoffe zu. Zudem setzen wir weiterhin auf regenerative Bewirtschaftung.“
Diese Form der Bewirtschaftung zielt darauf ab, den Boden möglichst ganzjährig bedeckt und gut durchwurzelt zu halten. Die Bodenbearbeitung erfolgt flach und ohne schwere Maschinen. So wird die Bodenstruktur geschont und das Bodenleben gefördert. „Schützen, aufbauen und beleben“ – nach diesem Credo wird der Weltacker weiter kultiviert.

